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Anna Kutter

Anna Kutter studierte von 2003 bis 2008 Pädagogik an der LMU München. Im Februar 2008 erfolgte der Hochschulabschluss als Magisterpädagogin. Aktuell ist Anna Kutter als Akademische Rätin und Mitarbeiterin im Bachelor-Studiengang „Medien- und Bildungsmanagement“ der PH Weingarten tätig. Im Interview berichtet sie von ihren Interessenschwerpunkten Bildungsmanagement, E-Teaching und Medical Education.

Aus welchem Anlass haben Sie persönlich angefangen, sich für das Thema E-Learning zu interessieren?
Schon während meines Studiums an der LMU München wurden viele Kurse entweder virtuell ergänzt oder auch komplett virtuell angeboten. Besonders im Bereich der Pädagogischen Psychologie, damals noch bei Prof. Mandl, gab es viele virtuelle Angebote. Dort habe ich dieses Lehrformat wirklich schätzen gelernt, weil es mir persönlich eine viel intensivere Auseinandersetzung mit den Lerninhalten ermöglicht hat. Und die berühmte zeitliche und örtliche Flexibilität fand ich natürlich auch toll. Deshalb wollte ich mich dann neben der Studierenden-Sicht auf das E-Learning auch mit der Lehrendenperspektive auseinandersetzen und habe noch während des Studiums eine Zusatzausbildung zum TeleCoachInternational gemacht. Außerdem hatte ich auch die Möglichkeit schon während meiner Tätigkeit als studentische Hilfskraft digitale Lerninhalte umzusetzen und E-Learning als E-Tutor zu betreuen. Mit meiner Stelle hier in der Mediendidaktik in Weingarten führe ich dieses Thema und die dazugehörigen Aufgaben natürlich weiter fort.

Einer Ihrer Interessenschwerpunkte ist die Mediendidaktik. Sie unterrichten zu diesem Thema eine Einführungsveranstaltung als virtuelles Seminar. Was sind die besonderen Herausforderungen von Online-Lehre aus Ihrer Sicht als Dozentin?
Eine besondere Herausforderung gerade bei diesem Kurs ist es, dass es sich um eine Erstsemesterveranstaltung handelt. Das heißt meistens, dass E-Learning-Neulinge mit diesem Lehrformat erst vertraut gemacht werden müssen. Oftmals herrscht am Anfang große Verwirrung unter den Studierenden bezüglich technischer Fragen und der virtuellen Kommunikation und Vernetzung. Auch ist es für die Studierenden schwierig keinen face-to-face Ansprechpartner zu haben sowohl bei inhaltlichen als auch bei technischen Fragen. Einfach den Finger zu heben und zu fragen ist viel leichter als in einem unbekannten System eine Forumsnachricht oder eine E-Mail zu schreiben. Da muss man als "E-Teacher" wirklich aufpassen, dass man niemanden verliert und alle am Ball hält.

Sie haben nicht nur Erfahrung in der reinen Online-Lehre, sondern auch im Unterrichten von Blended Learning Kursen. Was sind Vor- und Nachteile beider Szenarien und was fällt Ihnen persönlich leichter?
Neben den in der Fachliteratur bekannten Vor- und Nachteilen gefällt es mir persönlich besser, einen Blended-Learning-Kurs abzuhalten. Wenn ich die Studierenden von Zeit zu Zeit auch mal persönlich sehe, fällt es mir leichter einen Kontakt aufzubauen, individuelle Schwierigkeiten abzuschätzen und darauf zu reagieren. Das ist für mich (aus Dozenten-Sicht) der große Vorteil der Vermischung von Präsenz und Online-Lehre. Der Nachteil ist, dass sich dieses Format natürlich nicht so gut eignet wenn meine Teilnehmer quer im Land verteilt sind. Genau wechselgleich liegen dementsprechend für mich die Vor- und Nachteile reiner Online-Lehre.

Welche Grundlagen der Medienkunde sollten Studierende Ihrer Meinung nach im Studium erwerben?
Meiner Meinung nach sollten grundlegende Kenntnisse der Medienkunde nicht nur Teil eines Studiums sein, sondern in das Allgemeinwissen aufgenommen und bereits in frühen Jahren durch soziales Umfeld und Schule vermittelt werden. In einer von Medien geprägten Gesellschaft ist es unheimlich wichtig zu wissen, wie Mediensysteme aufgebaut sind und funktionieren, z.B. um mit Berichterstattung in den Massenmedien kompetent und kritisch umgehen zu können.

Im Studium an sich entscheidet das Studienfach darüber, in welcher Weise das bereits vorhandene Medienwissen weiter ausgebaut wird. Ein Medienwissenschaftler hat hier natürlich andere Inhalte und Schwerpunkte als ein Betriebswirt oder ein Pädagoge. In unserem Studiengang Medien- und Bildungsmanagement (B.A.) möchten wir einen breitgefächerten Einblick in das Thema Medien geben, von Mediendidaktik und -pädagogik bis hin zur Informationstechnologie und Programmierung. Die Studierenden sollen befähigt werden, mediengestützte Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Institutionen zu gestalten, durchzuführen und zu evaluieren.

Sie arbeiten zum Thema „Storytelling als Managementmethode“. Können Sie erläutern, was sich dahinter verbirgt?
Im Studiengang Medien- und Bildungsmanagement möchten wir unseren Studierenden auch Einblicke in kreative/innovative Managementmethode geben. Eine der ältesten Methoden Menschen zu erreichen ist das Erzählen von Geschichten, wovon sich der Begriff Storytelling, also „Geschichten erzählen“ ableitet. Märchen und Erzählungen sprechen die emotionale Seite in den Menschen an und vermögen selbst komplexe Inhalte auf anschauliche und nachvollziehbare Weise zu transportieren. Heute wird Storytelling neben der Unterhaltung durch Erzähler u. a. auch in der Bildung und im Wissensmanagement und als Methode zur Problemlösung eingesetzt. Vor allem in den USA aber auch in Deutschland beschäftigen sich Forscher und Praktiker damit, diese Methode in Organisationen umzusetzen. Durch das (Weiter-)Erzählen von Geschichten kann und soll explizites und implizites Wissen eingängig weitergegeben werden.

Was ist aus Ihrer Sicht das Faszinierende am Thema E-Learning?
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das für mich ganz klar die Möglichkeit, die Potentiale des Lehrens und Lernen zu erweitern, zu erforschen und auszuschöpfen – alles im Hinblick auf die Vorteile für die „Endnutzer“. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch spannend zu sehen, welche faszinierenden Wege und Werkzeuge ständig neu entwickelt werden um zu kommunizieren. Allerdings ist es mir persönlich sehr wichtig, über die Faszination für das Neue nicht das Ziel von E-Learning bzw. virtueller Lehre aus den Augen zu verlieren, nämlich die erfolgreiche Wissensvermittlung.

Was haben Sie für die Zukunft im Bereich E-Learning geplant?
Im Studiengang Medien- und Bildungsmanagement ist der Einsatz virtueller Lehre Teil des Studiengangskonzepts. Dementsprechend arbeiten wir daran, die Lehre weiter zu virtualisieren. Eines unserer Forschungsprojekte in der Arbeitsgruppe um Prof. Henninger beschäftigt sich damit, Geschäftsmodelle für den Einsatz und die Entwicklung von digitalen Lerninhalten zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel die Entwicklung von Modellen, die einen polyvalenten Einsatz von E-Content ermöglichen und der Aufbau von Kooperationsnetzen, in welchen E-Content polyvalent genutzt werden kann. Natürlich gehören auch Themen wie etwa Ausschreibung, Authoring, technische Umsetzung, Implementation und Evaluation. Ein anderes sehr interessantes Projekt beschäftigt sich mit E-Learning im Bereich der Medical Education. Hier sollen hybride Lehr-Lernformate entwickelt und wissenschaftlich untersucht werden, mit dem Ziel, kommunikativen Defiziten am Hochrisikoarbeitsplatz Operationssaal zu begegnen.

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